Ein guter Lobbyist versteht sich nicht als Lobbyist, sondern als Kaufmann von Informationen. Er oder sie sucht Informationen und hat diese seinen Kontakten auch zu bieten.
Eine gute Lobbyistin hat keine ideologischen Scheuklappen, sondern ist breit und in alle Parteien hinein vernetzt. Wenn ich schaue, wer auf LinkedIn mit wem vernetzt ist, dann stelle ich fest, dass viele vor allem zum Kirchenchor predigen: Linke Kampagnenmacher machen linke Kampagnen. Bürgerliche Kampagnenmacher machen bürgerliche Kampagnen. Die Argumentationslinien sehen entsprechend immer gleich aus.
Ein guter Lobbyist braucht mehrere Quellen für jede Information. Es wird nirgendwo so viel gelogen wie in der Wandelhalle. Ich nehme nie an, dass etwas so ist, wie meine Kundinnen und Kunden sagen, sondern überprüfe alles. «Cross examination», sagt man dem im Gerichtssaal.
Eine gute Lobbyistin hat ein tiefes Verständnis der politischen Prozesse. Sie muss das Gras wachsen hören.
Ein guter Lobbyist versteht mit allen Konsequenzen, dass die Schweiz ein mehrsprachiges Land ist. Vor allem Werbe- und PR-Agenturen vergessen oft, dass die politische Schweiz nicht nur aus Zürich besteht. Bei vielen Themen ist das kantonale Lobbying zudem wichtiger als das Lobbying auf nationaler Ebene.
Eine ethische Lobbyistin verrechnet nicht zwingend nach Stunden, denn sie ist keine Sekretärin. Der Wert ihrer Arbeit liegt auch nicht nur in der Zeit, die sie mit dem Gründen von Interessengemeinschaften, der Organisation von Anlässen und dem Schreiben von Pressemitteilungen verbraten hat.

