CVP-Aktion: An der Zielgruppe vorbei und im Konflikt zur eigenen Positionierung

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Dr. Louis Perron
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Man soll im Wahlkampf immer mal was Neues ausprobieren und selbstverständlich hat auch die CVP das Recht, zu provozieren. Die Online-Aktion der Partei der letzten Tage macht für mich aber wenig Sinn. Sie passt weder zu den Zielgruppen der CVP, noch zur inhaltlichen und strategischen Ausrichtung der letzten Jahre. Immerhin lautet der Wahlkampfslogan der Partei „Wir halten die Schweiz zusammen“. Ein Rundumangriff gegen alle Parteien scheint mir dazu im direkten Konflikt. Meine Analyse im Interview auf 20 Minuten online, geführt von Roland Lieberherr:

 

Herr Perron, die neueste Kampagne der CVP wirft hohe Wellen. Glückte ihr ein Coup?

Ich denke, eher nicht. Für mich ergibt die Kampagne wenig Sinn: Vor allem Form und Inhalt haben mich überrascht. Dass die CVP auf den digitalen Weg setzt und andere Politiker aller Couleur direkt angreift, würde eher zu einem Aussenseiter wie zum Beispiel der Piratenpartei passen. Diese Kampagne passt weder zum bisherigen Stil noch zu den politischen Inhalten und Werten, die die CVP vertritt.

Also weder nett noch lösungsorientiert …

Genau. Die Kampagne schiesst an der ländlichen, gemässigten, mittelständigen Stammwählerschaft vorbei. Eigentlich müsste die Partei Hausbesuche bei ihrer Basis machen, um diese Stimmen zu halten – und nicht online andere Politiker diffamieren.

Aber sie sorgt für Gesprächsstoff …

Auffallen im Wahlkampf ist grundsätzlich nicht schlecht und bringt Beachtung. Polarisieren muss man aber strategisch: Nehmen sie die «schwarzen Schafe» der SVP. Viele waren empört, aber den Stammwählern der SVP sprach das damals aus den Herzen. Bei dieser Kampagne nimmt man das der CVP nicht ab.

Sie könnte zum Rohrkrepierer werden?

Gut möglich, dass viele der CVP-Basis das nicht gerade mobilisiert. Schliesslich startete die Partei mit dem Slogan «Wir halten die Schweiz zusammen» in den Wahlkampf. Diese Kampagne impliziert das überhaupt nicht. Ich kann auch keine Gesamtstrategie dahinter sehen.

«Fake-News», «Hetze», «ohne Anstand»: Betroffene Politiker laufen sturm. Zu Recht?

Ja. Ich kann deren Unmut verstehen. Googelt jemand nach ihrem Namen, wird er auf eine falsche Seite geleitet. Das ist irreführend, zumindest wird die Irreführung in Kauf genommen. Zudem sind auf diesen Seiten nicht direkte Aussagen der Politiker aufgeführt, sondern nur vage Positionen seiner Partei, die die CVP ihren Lösungen gegenüberstellt.

Also kein Pendant zum amerikanischen Wahlkampf?

Mitnichten. Dort ist «opposition research» gang und gäbe. Dabei werden aber gemachte Aussagen oder Abstimmungsverhalten von politischen Gegner widerlegt, hinterfragt und kritisch beäugt. Das hat einen direkten Bezug zur angegriffenen Person mit Quellenangaben. Das ist bei der CVP-Kampagne nicht der Fall.

Lesen Sie das ganze Interview hier.

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