Parteiwechsel von Chantal Galladé wirft hohe Wellen

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Dr. Louis Perron
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Der Parteiwechsel von Chantal Galladé wirft hohe Wellen – bis in die nationalen Medien. Der Fall illustriert die Funktionsweise der Medien sehr eindrücklich: Medien sprechen an auf Blut, Konflikt, Dissonanzen, (pseudo) Skandale und nackte Haut. Der Parteiwechsel von Galladé fällt dabei in die Kategorie Dissonanzen. Das haben mir auch schon diverse Politikerinnen und Politiker bestätigt: Die einfachste und schnellste Art, mediale Aufmerksamkeit zu erhalten, ist es, etwas gegen die eigene Partei zu sagen.

Aus Sicht von Galladé selber verstehe ich den Parteiwechsel nicht. Ich sehe nicht, was sie dabei (ausser vielleicht Genugtuung) gewinnt. Parteiwechsel sind in der Schweiz sehr selten. Es ist nicht wie in anderen Ländern, wo während einer Legislatur die Parlamentarier manchmal gleich reihenweise die Parteien wechseln. Wenn man sich schon wie Galladé eine Karriere lang mit der eigenen Parteibasis abmüht, warum dann «en fin de carrière» noch wechseln? Ob die Kreisschulpflege Winterthur Stadt-Töss nun in Händen der SP oder der GLP ist, spielt politisch kaum eine Rolle.

Für die SP ist der Parteiwechsel von Galladé während dem Zürcher Wahlkampf sicher keine Publireportage. Die kantonale Parteileitung hat hingekriegt, den Konflikt mit Regierungsrat Mario Fehr vor dem Wahlkampf zu klären. Da kommt der Parteiwechsel von Galladé natürlich zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Wenn der Fall etwas Positives auslösen soll, dann müsste sich die Partei überlegen, wie sie mit ihrem gemässigten Flügel umgeht. Während der letzten Jahre wurde dieser marginalisiert. Ich denke, das war strategisch falsch. Der Weg zum Erfolg liegt für die SP weder in einem pointierten Linkskurs noch in einem Schwenk in die Mitte, sondern in einem eleganten Spagat zwischen den beiden Flügeln. Während den 1990er Jahre gab es zwar heftige, inhaltliche Auseinandersetzungen, aber elektoral hat die Arbeitsteilung zwischen dem prononciert linken Parteipräsidenten Peter Bodenmann und den moderaten Elmar Ledergerber, Thomas Onken, Simonetta Sommaruga und Ruedi Strahm sehr gut funktioniert.

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