Von den abgewählten, alten weissen Männern

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Dr. Louis Perron
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Die eidgenössischen Wahlen 2019 sind vorbei. Es wurde während der letzten Wochen ab und zu von der Abwahl der «alten weissen Männer» geschrieben. In der Tat wurden einige Schwergewichte mehr oder weniger überraschend abgewählt. Prominente Beispiele sind Beat Vonlanthen aus Freiburg und Filippo Lombardi aus dem Tessin. Die Wahlen 2019 waren neben Klimawahlen auch Frauenwahlen. Der Frauenstreik und die Kampagne «Helvetia ruft» haben zweifellos ihre Wirkung gezeigt – bis tief ins bürgerliche Lager notabene. Frauen hatten und haben betreffend Vertretung im Parlament Nachholbedarf.

Abgewählt wurden aber vor allem auch Bisherige, die ihren eigenen Wahlkampf unterschätzt haben. Denn wie die Stimmbevölkerung das Kriterium Erfahrung sieht, hat sich verändert. Es gilt nicht mehr: Je mehr desto besser. Fünfzehn Jahre Erfahrung in Bern sind nicht besser als zehn Jahre. Im Gegenteil: Zu viel Zeit in Bern ist tendenziell eher ein Nachteil geworden und wird mit «Sesselkleberei» assoziiert. Die Wählerschaft ist volatiler geworden. Man kann kaum mehr auf loyale Stammwähler zählen, sondern muss sich seine Unterstützung jedes Mal – und eigentlich jeden Tag – neu erkämpfen. Auch was es bedeutet, Fraktionspräsident oder Nationalratspräsident zu werden oder zu bleiben, muss man erklären und „verkaufen“. Die Zeiten, wo man im Schlafwagen im Ziel ankommt, sind definitiv vorbei. Paul Rechsteiner, Ruedi Noser, Hans Stöckli und Beat Rieder wurden alle wiedergewählt und haben alle etwas gemeinsam: Sie haben einen langen, engagierten Wahlkampf hingelegt.

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