Das linke Männertrauma

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Dr. Louis Perron
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Am letzten Wochenende war in der Sonntagspresse vom linken Männertrauma die Rede. Und in der Tat gibt es sowohl bei den Gewählten wie beim Stimmvolk einen beachtlichen sogenannten «gender gap». Mehr Frauen als Männer wählen links. Und auf linken Listen haben es Männer momentan schwer, gewählt zu werden. Es ist in der Politik häufig so, dass die grösste Stärke gleichzeitig auch die grösste Schwäche ist.

Ich möchte allerdings beifügen, dass dieser Trend nicht plötzlich entstanden ist. Vielmehr sehe ich es als eine langfristige Tendenz, deren erste Welle begonnen hat, als Christiane Brunner 1993 nicht in den Bundesrat gewählt wurde. Anstatt Brunner wählte die vereinigte Bundesversammlung damals Françis Matthey. Seine Partei, die SP, übte jedoch starken Druck aus, so dass er die Wahl nicht annahm. In der Folge wurde dann Ruth Dreyfuss gewählt und im Bundesrat war wieder eine Frau vertreten. Elektorale Macht ist halt nun mal ein Nullsummenspiel: Wenn die eine gewinnt, verliert der andere.

Linke Männer haben momentan eigentlich nur die Möglichkeit, auf den Zug aufzuspringen und noch lauter Gender zu rufen als die Frauen. Cédric Wermuth macht eindrücklich vor, wie linke Männer heute gewählt werden. Gefragt sind übrigens vor allem junge, linke Frauen. Auf Silvia Schenker, Bea Heim und Susanne Leutenegger-Oberholzer wurde hingegen Druck ausgeübt, frühzeitig aus dem Nationalrat zurück zu treten, respektive nicht mehr zu kandidieren. Und bei den Grünen ist die Lage nicht anders: unter den vielen neu gewählten grünen Nationalräten und Nationalrätinnen waren 2019 gerade mal zwei Frauen über 50.

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