Gute Noten für die Kommunikation des Bundesrates

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Dr. Louis Perron
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Wenn es so weitergeht, wie es sich momentan abzeichnet, dann werden die Schweizerinnen und Schweizer nach dieser Krise ein (noch) höheres Vertrauen in den Bundesrat haben als vorher. Wenn man ins Ausland schaut, kann und muss man für die hiesigen Institutionen dankbar sein: Wir haben eine Regierung, die das Allgemeinwohl im Blick hat und ein Gesundheitssystem, das funktioniert. Ich weiss, was jetzt viele kritische Geister denken: Die Kommunikation um die Schutzmasken war nicht optimal, der Einstieg in den Lockdown war zu zögerlich und bis zum Ausstieg dauert es zu lange für die Wirtschaft……. Nochmals: Wir haben 2’937 Fälle pro Million Bevölkerung. Das ist mehr als Italien und die meisten anderen Länder. Und wir haben 128 Todesfälle pro Million Bevölkerung – deutlich weniger als Frankreich, Italien und Spanien. Meine Lesart der Dinge ist, dass das Hauptziel von Anfang an war, einen Kollaps des Gesundheitssystems zu verhindern und das ist bis jetzt auch gelungen.

Besonders Alain Berset war während den letzten Wochen dauerpräsent. Dies macht Sinn, da das Gesundheitsdossier bei ihm liegt. In anderen Ländern sieht man vor allem die Präsidenten und Ministerpräsidenten als Krisenmanager. Doch bei uns spielt der Bundespräsident – oder wie in diesem Jahr eben die Bundespräsidentin – vor allem eine protokollarische Rolle. Berset nimmt man auch ab, dass er sich beim besten Willen nicht um diese Rolle und die Aufmerksamkeit gerissen hat. Während einer Krise als Gremium von sieben Gleichen eine einigermassen kohärente Kommunikationsstrategie zu fahren, ist nicht ohne Herausforderungen. Es gibt im Bundesrat immer auch eine gewisse Konkurrenz um das mediale Scheinwerferlicht. Wie ich gestern in der Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche» gesagt habe: Der Bundesrat besteht aus «sept égaux», aber auch «sept ego». Trotzdem ist die Kommunikation bis jetzt nachvollziehbar und es wird auch nicht laufend den Experten widersprochen, wie wir das regelmässig in den USA beobachten.

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