Public Affairs nach Corona

author
Dr. Louis Perron
blog post louis

Firmen, die während einer Rezession investieren, profitieren nachher überdurchschnittlich vom Aufschwung. Das gilt auch für die Branche der Politikberatung und Public Affairs. Wir können und müssen uns also auf die Zeit nach dem Lockdown vorbereiten. Damit meine ich aber nicht, einfach das Datum für den Parlamentarieranlass neu anzusetzen. «Den Tüchtigen gehört die Welt», hatte mein Grossvater häufig gesagt. «Den Innovativen die Zukunft», würde ich beifügen.

Denn von Normalität kann nicht die Rede sein. Nicht in absehbarer Zeit. Auch politisch hat sich vieles verändert: Die Toleranz für anti-intellektuelle Clowns an der Spitze von Regierungen dürfte gesunken sein. Bei uns in der Schweiz ist das Vertrauen in die Institutionen hingegen wohl gestiegen. Die öffentliche Meinung verändert sich selten über Nacht. Jetzt dürfte es aber bei gewissen Themen passiert sein: Gesundheitspolitik (weniger Fokus auf die Kosten), Globalisierung & Outsourcing (Fragen der Abhängigkeit), Europa (Grenzen, Solidarität). Die Pflegeinitiative hat wohl eher Aufwind. Wenn heute Wahlen wären, wäre die grüne Welle hingegen wohl etwas abgeflacht.

Die Coronakrise wird wahrscheinlich zu einem Schub an Technologisierung führen. Gleichzeitig wurde aber den meisten Menschen während dem Lockdown vor allem bewusst, in welchem Ausmass wir soziale Wesen sind. Es muss also darum gehen, wie wir die Technologie nutzen können, um den persönlichen Kontakt zu unterstützen und zu verbessern – nicht um ihn zu ersetzen. Denn der persönliche Kontakt wird bei Public Affairs, Lobbying und Kampagnen allgemein zentral bleiben.

Ich erwarte nun vor allem einen Kampf um die politische Traktandenliste. Das Lobbying der Wirtschaft hat traditionell stark via Achse über FDP und CVP funktioniert. Die beiden Parteien sind auch nach wie vor Platzhirsche in Bundesbern. Trotzdem sage ich spätestens seit den letzten Wahlen allen Kunden, die es hören wollen: «You have to play the whole field». Die Schweiz ist ein Mehrparteiensystem mit wechselnden Koalitionen. Public Affairs darf keinen ideologisch bedingten toten Winkel haben.

Diesbezüglich habe ich mit Erstaunen vom Lobbying der Gastronomiebranche gelesen. Ich bin bei den Bundesratssitzungen zwar nicht dabei, aber ich habe nicht den Eindruck, dass momentan alles 5 zu 2 gegen die beiden Roten entschieden wird. Von daher fände ich es einen merkwürdigen Ansatz, diejenigen, die matchentscheidend sind, nicht zu kontaktieren und zu bearbeiten. Persönlich halte ich das Resultat für bedauerlich, denn ich habe die Spiegeleier langsam satt.

Abonnieren Sie den Newsletter "The Campaign Doctor" von Politikberater Louis Perron und erhalten Sie bewährte Wahlkampfstrategien jede Woche direkt in Ihrem Posteingang

Als Willkommensgeschenk erhalten Sie ein einstündiges, exklusives Video über mein neues Buch "Beat the Incumbent."