Joe Biden ein Jahr im Amt

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Dr. Louis Perron
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Letzte Woche feierte Joe Biden ein Jahr im Amt als U.S.-Präsident. Dabei zu sagen, er sei seit einem Jahr im Weissen Haus, wäre jedoch falsch. Denn dort ist Biden erst nach einer intensiven Putzaktion eingezogen.

Am populärsten war Joe Biden, als er die Antithese zu Donald Trump darstellte. Als er während dem Wahlkampf monatelang sein eigenes Haus nicht verliess, war das ideal. Alle, die Trump nicht mochten, konnten in ihn hineinprojizieren, was sie wollten. Die Wahl wurde dann trotzdem äusserst knapp, was wir in Europa gerne vergessen. 43’000 Stimmen in drei Bundesstaaten machten den Unterschied aus. Als das Resultat feststand, waren seine Anhänger erleichtert.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit machte Joe Biden ein paar Dinge aus der Trump-Ära rückgängig. Das war einfach und ging schnell. Der grösste Erfolg von Joe Biden ist bis jetzt das Infrastrukturgesetz, welches er durch den Kongress gebracht hat. Donald Trump hatte oft davon gesprochen, es aber nicht geschafft. Den Rückzug aus Afghanistan finde ich persönlich richtig, das Management kam medial aber nicht gut rüber und hat der Popularität von Joe Biden sicher geschadet.

Die Mehrheitsverhältnisse im Kongress sind äusserst knapp. Die Demokraten sind auf jede Stimme angewiesen, wenn sie etwas durchbringen wollen. Das grosse Gesetzesprojekt mit dem Namen «Build Back Better» war in Anbetracht dessen viel zu ambitioniert. Ein Scheitern war vorprogrammiert. Joe Biden hat dem Treiben seiner Parteikollegen im Kongress zu lange zugeschaut. Dies habe ich in einem Beitrag für die Yonkers Tribune ausführlich beschrieben.

Betreffend Wachstum und Arbeitslosigkeit läuft die Wirtschaft unter Joe Biden gar nicht schlecht. Die steigende Inflation frisst das aber gleich wieder auf. Ich habe in einem anderen Beitrag darübergeschrieben, wie gefährlich Inflation politisch ist, denn sie trifft absolut jeden Wähler und jede Wählerin.

Entsprechend schlecht steht Joe Biden denn auch in den Umfragen da. Gerade mal 41% sind im Durchschnitt aller Umfragen mit der Amtsführung von Joe Biden zufrieden. Wir sind daran erinnert, dass Biden – und auch seine Vizepräsidentin – nie die grossen Publikumslieblinge waren. Schwierig ist deshalb auch die Ausgangslage für die Demokraten im Hinblick auf die Wahlen des Kongresses diesen Herbst. Das wird das nächste grosse Rendez-vous in der amerikanischen Politik sein.

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