Schlagkräftiger Personenwahlkampf

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Dr. Louis Perron
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Nun hängen sie wieder überall: die Wahlplakate, die immer gleich aussehen. Man sieht einen Kopf und liest einen inhaltsleeren Spruch.

Ein amerikanischer Politberater, der zum Zeitpunkt des letzten Wahlkampfes in der Schweiz war, hat mich damals gefragt, ob es bei uns eigentlich ein Gesetz gäbe, welches vorschreibe, dass alle Wahlplakate gleich aussehen müssten. Die Frage ist nicht dumm. Es gibt ja tatsächlich Länder wie zum Beispiel Brasilien, wo das Gesetz die Form des Wahlkampfmaterials vorschreibt. Bei uns ist das jedoch nicht der Fall. Unsere Politiker und ihre Grafiker und Fotografen sind wirklich so einfältig und mutlos.

Die Plakate mit mehreren Kandidaten sind oft nicht besser. Obwohl es zahlreiche Möglichkeiten gibt, wie man Teamgeist visualisieren könnte, erkennt man meistens von weitem Photoshop.

Ich habe das zig Mal in Fokusgruppen getestet: die Wählerinnen und Wähler machen sich sogar lustig über die döbeligen Plakate und die vielen Nastücher, die sie erhalten.

Auch Social Media ist in den meisten Personenwahlkämpfen ein Nebenschauplatz. Darüber habe ich an dieser Stelle ja schon oft geschrieben. Die Leute, die von Social Media im Wahlkampf schwärmen, sind fast immer Leute, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Wissenschaftliche Studien sehen es bedeutend nüchterner. Je älter und ländlicher die Zielgruppe, desto weniger wichtig ist es in einem Personenwahlkampf. Wenn schon, dann muss man Social Media vor allem dazu nutzen, die eigene Datenbank von Unterstützern aufzubauen.

Für mich gilt im Personenwahlkampf eine einfache Grundregel: je weniger ein Wahlkampf nach «offiziellem» Wahlkampf aussieht, desto effizienter ist eine Kampagne. Das heisst natürlich nicht, dass man als Kandidat oder Kandidatin nichts tun kann. Präsenz, Vernetzung, der persönliche Kontakt und vor allem das Bearbeiten von Themen sind aber entscheidender als eine Materialschlacht. In kleinen und mittleren Kantonen ist es deshalb nützlich, an jede «Hundsverlochete» zu gehen. In grösseren Kantonen ist Medienpräsenz Gold wert.

Wichtig ist auch, dass man nicht zu ambitioniert und eifrig rüberkommt. Die Schweiz ist nicht die USA: man zeigt bei uns Ambitionen nicht so offen – schon gar nicht in der Politik. Schliesslich ist es auch wichtig, dass man zeigt, dass man einen Ort kennt, spürt und repräsentiert. Machen Sie den Test: Wenn ein Parteikollege oder eine Parteikollegin in einem anderen Kanton ihr Kampagnenmaterial mit wenig Änderungen auch aufhängen könnte, ist es unpersönliche Propaganda. Und das ist leider bei 90% des Wahlkampmaterials der Fall.

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