Overkill, Bisherigenbonus und Wiedererkennungseffekt – Mythen im Schweizer Wahlkampf

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Dr. Louis Perron
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Wahlkampf ist in der Schweiz weitestgehend eine Art Volksweisheit, begründet von denjenigen, die schon einmal einen Wahlkampf gemacht haben. So halten sich hartnäckig mehrere Mythen, für die ich keine wissenschaftlichen Beweise kenne.

Der Wiedererkennungseffekt: In der Werbung geht es darum, aufzufallen und die Zielgruppe dort abzuholen, wo sie steht und mit einer Botschaft, die der Zielgruppe gefällt. Dass man nur oft genug wieder erkennt werden muss, und dass das dann quasi automatisch in Stimmen münden würde, scheint mir illusorisch.

Die heisse Phase: In einer Logik des politischen Marketing ist eigentlich immer Wahlkampf. Man soll laufend Themen bearbeiten und medial präsent sein. Während der Legislatur versucht man, das eigene Potential zu erweitern. Während dem Schlussspurt geht es dann darum, das Potential auszuschöpfen und in Stimmen umzuwandeln. Insofern ist der Schlussspurt sicher wichtig, aber man kann halt nur ausschöpfen, was man vorher aufgebaut hat.

Der Overkill: Er ist einer meiner Lieblingsmyhten; die Idee, dass man zu viel Wahlkampf machen könnte (und das ausgerechnet in einem Land wie der Schweiz, wo der Wahlkampf notorisch langweilig ist und die Mehrheit der Stimmberechtigten nicht wählen geht). Tatsache ist hingegen, dass man mit einer inhaltsleeren Ego-Show die Leute nerven kann.

Der Bisherigenbonus: Bisherige werden meistens wiedergewählt. Sie haben betreffend Bekanntheitsgrad, Medienpräsenz und Legitimation fürs Amt gegenüber neuen Kandidaten beachtliche Vorteile. Das heisst aber sicher nicht, dass es einen quasi automatischen Bonus für Bisherige gäbe, einfach weil auf dem Wahlzettel nach dem Namen das Wort «bisher» steht.

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