Undankbares Amt Parteipräsident(in)

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Dr. Louis Perron
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Die SVP Kanton Zürich sucht einen neuen Parteipräsidenten. Auch bei gewissen nationalen Parteien könnte es bald zu Wechseln an der Spitze kommen (oder zumindest zu Diskussionen darüber). Der Posten eines Parteipräsidiums ist jedoch gar nicht so begehrt. Der Zeitaufwand für das Amt ist – wenn man es richtig macht – enorm. Und vor allem wenn es schlecht läuft, ist man Ziel- und Projektionsfläche für viele Kritikerinnen und Kritiker. Es ist sicher eine Plattform, um politisch viel zu gestalten und Einfluss geltend zu machen. Im Vergleich etwa zu einer Parteivorsitzenden in Deutschland oder einem Parteiführer in Grossbritannien aber haben Schweizer Parteipräsidentinnen- und Präsidenten herzlich wenig Macht, um die eigenen Schäfchen auf Kurs zu bringen und zu halten. Hierarchien sind in der Schweiz allgemein flach. Das gilt ganz besonders in der (Partei-)Politik. In vielen europäischen Ländern wird man als Parteichef(in) Spitzenkandidat für die Regierung oder ist zumindest per Defintion valabler Aspirant(in) für das Amt. In der Schweiz haben es zwar mit Ueli Maurer, Doris Leuthard und Adolf Ogi immer wieder mal frühere Parteipräsidenten in den Bundesrat geschafft. Jemand, der nicht voll auf Parteilinie politisiert, hat aber auf Grund des Systems mindest ebenso gute Chancen. Auch kennt die Schweiz bei den Nationalratswahlen ja die sogenannt offenen Listen. Die weitere Karriere eines Nationalrates hängt also mehr von seinem Standing im Heimatkanton ab als von der zentralen Parteiführung. Die Parteien sind zudem logistisch und organisatorisch schwach. Man ist auf den Goodwill von ehrenamtlichen und freiwilligen Mitgliedern und Aktivisten angewiesen. In der Schweiz kann eine Parteipräsidentin oder ein Parteipräsident also vor allem durch geschickte mediale Präsenz und konstantes, internes «heblä» einen Führungsanspruch durchsetzen. Selbstredend hilft auch der Erfolg, um die eigene Macht abzusichern. Idealerweise hat ein Parteipräsident oder eine Parteipräsidentin auch keine eigenen, unmittelbaren höheren Ambitionen, denn sonst hat er oder sie per Definition immer zwei Seelen in der Brust.

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