Valérie Dittli und die Tücken einer schnellen Karriere

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Dr. Louis Perron
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Wer in der Politik schnell aufsteigt und Karriere macht, ist besonders verwundbar. «Instant fame, instant chaos», sagt man in den USA. Was Annalena Baerbock während dem letzten Wahlkampf in Deutschland erlebte, widerfährt jetzt Valérie Dittli, Finanzdirektorin aus dem Kanton Waadt. Es ist in der Krisenkommunikation ein Klassiker.

Vor ihrer Wahl arbeitete Dittli als Doktorandin an der Universität Lausanne, bezahlte Steuern aber in ihrem Heimatkanton Zug. Die neue Finanzdirektorin hat also im Kanton, den sie regiert, vorher nie Steuern bezahlt. Das ist nicht per se ein Skandal. Viele Studenten machen es genauso wie Dittli. Da Dittli aber in die Regierung gewählt wurde, ist es eine Dissonanz. Dass die Öffentlichkeit hinschaut und Fragen stellt, ist legitim. Ein Experte soll nun den Fall untersuchen. Damit soll die Debatte wohl versachlicht werden.

Ein wichtiges Detail ist auch, dass Dittli den Wohnsitz einmal kurz in den Kanton Waadt wechselte und später zurück nach Zug. Es ging also nicht einfach vergessen, sondern war ein bewusster Entscheid. Und das ist in Bezug auf ein parteiinternes Reglement, wonach man im Kanton wohnhaft sein muss, um in der Mitte Mitglied zu sein, relevant.

Wie im Fall Baerbock kommen jetzt also auch bei Dittli bereits die nächsten Geschichten. Mit besagter parteiinterner Regel soll sie es selber nicht so streng genommen haben. Zudem soll sie sich zu Unrecht Dr. jur. genannt haben. Das Reglement der Universität Lausanne scheint klar: den Titel führen darf man, wenn die Doktorarbeit publiziert ist. Das ist im Fall von Dittli offenbar noch nicht so. Der Fall zeigt einmal mehr eindrücklich, wie schnell sich der mediale Wind drehen kann.

Interessant ist zusätzlich auch immer die Frage, wer von einer Schwächung Dittlis im jetzigen Moment profitiert. Meistens finden Journalisten solche Geschichten  ja nicht auf der Strasse.

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