Wie Wissen über politische Kampagnen entsteht

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Dr. Louis Perron
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Die Politikwissenschaft hat Wahlkämpfe lange Zeit ignoriert. Ironischerweise. Politologen und Politologinnen haben sich immer für Wahlen interessiert. Sie haben immer versucht, diese vorauszusagen oder das Resultat im Nachhinein zu erklären. Wissen über Wahlkämpfe zu produzieren, hat sie hingegen während langer Zeit kaum interessiert. Im Gegenteil. Man wollte eigentlich sogar «beweisen», dass Kampagnen keinen grossen Effekt haben. Und der Gedanke ist grundsätzlich auch nicht dumm: Wenn historische, sozio-demographische Modelle und die grossen Konfliktlinien in einer Gesellschaft den Wahlausgang Monate vor einer Wahl und bevor die eigentliche Kampagne statt findet, voraussagen können, dann kann die Kampagne ja kaum einen grossen Einfluss gehabt haben. Diese Modelle haben lange Zeit auch recht gut funktioniert.

Doch seit einiger Zeit wird die öffentliche Meinung volatiler und auch das Medienumfeld verändert sich. Margaret Scammell, eine britische Politologin, hat vor einiger Zeit korrekterweise gesagt, dass Wissen über Wahlkämpfe so eine Art Volksweisheit seien. Eben weil sich die Politikwissenschaft nicht dafür interessiert hat. Diese Volksweisheit basiert vor allem auf der persönlichen Erfahrung der politischen Akteure selber sowie deren subjektiven Einschätzung über Nutzen und Wirksamkeit ihrer eigenen Strategien und Instrumente. Das entspricht auch meiner Beobachtung. Wahlkampf als Glaubensbekenntnis.

Was mir dabei auch auffällt ist der Unterschied zwischen den USA und der Schweiz. In den USA spricht man nach einer Wahl offen über alles. Sogar interne Umfragen, Strategiepapiere und Überlegungen werden publik gemacht und an Konferenzen diskutiert. Diejenige Seite, die unterlag, versucht sofort, alles aufzuholen. Bei uns herrscht da viel mehr Geheimniskrämerei und vor allem auch Skepsis. Man will ja nicht so aussehen, als würde man etwas machen, nur weil es eine andere Partei gemacht hat.

Ein gutes Beispiel ist die Telefonkampagne der SP. Als die Sozialdemokraten 2015 damit begannen, fand ich sofort, es sei eine vielversprechende Sache und habe das auch in mehreren Medieninterviews so gesgat. Telefonmarketing ist ja egentlich nichts Neues. Im Gegenteil. Aber es ist klassisches Mobilisieren und genau darum geht es bei Schweizer Nationalratswahlen. Trotzdem tun sich die anderen Parteien bis heute schwer damit, dies zu duplizieren. Viele bleiben lieber beim gewohnt inhaltsleeren Plakat.

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