Die Affäre Berset/Coronaleaks

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Dr. Louis Perron
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Nach einem Monat in Indonesien bin ich eben zurück in der Schweiz und einigermassen erstaunt über das Ausmass der medialen Aufregung in der Affäre Berset/Coronaleaks. Erstens haben das, worüber die Schweiz am Sonntag berichtete, doch alle geahnt. Und zweitens ist es etwas, was in Bundesbern viele machen.

SP-Bundesrat Willi Ritschard war bekannt für seinen guten Draht zum Blick. Es wurde die Geschichte erzählt, wonach sein Nachfolger im Amt, Otto Stich, als erstes die Telefonnummer zu seinem Büro ausgewechselt haben soll. Ob es stimmt, weiss ich nicht, allerdings berichtete der Blick über Otto Stich dann jahrelang (und bis kurz vor seinen Rücktritt) deutlich kritischer als über seinen Vorgänger.

Wenn ich die aktuelle Affäre seziere, dann finde ich unter anderem das Element Medienhype. Warum? Weil ein anderes Medium, in diesem Fall Ringier, am Fall beteiligt ist. Medien interessieren sich ganz besonders für Geschichten, an denen andere Medien beteiligt sind.

Grundsätzlich gibt es für Alain Berset nun drei mögliche Szenarien: 1) man kommt gestärkt aus einer solchen Affäre hinaus. Es ist möglich, gibt aber wenig Beispiele. 2) man überlebt politisch und bleibt im Amt, findet aber nicht zur alten Grösse zurück. Es bleibt ein Nachgeschmack. 3) man überlebt politisch nicht und muss zurücktreten. Beispiele, wo ein Skandal zu einem Rücktritt oder einem Ende der Karriere führte, gibt es in der Schweiz überraschend viele: Yannick Buttet, Bruno Zuppiger, Geri Müller, Carlo Conti, Pierre Maudet oder Géraldine Savary sind nur ein paar Beispiele.

Ein besonders interessanter Referenzfall ist natürlich auch Elisabeth Kopp. Sie trat unter öffentlichem Druck zurück, wurde später aber vor Bundesgericht freigesprochen. Der Fall Kopp lehrt uns auch, dass für Alain Berset nun vor allem die eigene Partei entscheidend ist. Stand der Dinge heute scheint mir deshalb das Szenario zwei am wahrscheinlichsten.

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