Die Macht der Sprache in der Politik

author
Dr. Louis Perron
blog post louis

Monentan «schnüren die Politiker Hilfspakete» für die vom Coronavirus geplagte Wirtschaft. Diverse Sektoren werden «unterstützt». Auch in U.S.-amerikanischen Medien ist oft von dem «relief package» die Rede, welches der Kongress verabschiedete. Das klingt nach Weihnachten und Geburtstag gleichzeitig und auf jeden Fall besser als «wir machen jetzt Schulden in gigantischem Ausmass, die eure Kinder noch bezahlen dürfen und der Spielraum für zukünftige Krisen wird massiv eingeschränkt.»

«Die Kosten im Gesundheitswesen explodieren.» Das lesen wir auch oft, der Narrativ hat sich etabliert. In der Tat steigen die Gesundheitskosten wie viele andere Kosten auch und ich will nun mal auch nicht abstreiten, dass der Leidensdruck im Mittelstand angekommen ist. Aber ansteigen ist nicht das gleiche wie explodieren. Selbst wenn die Prämien nun jedes Jahr 4% ansteigen würde, bräuchte es 14 Jahre für eine Verdoppelung.

«Die Schweiz hinkt familien- und gleichstellungspolitisch dem Ausland hinterher.» Dieses Framing suggeriert, dass wir etwas aufzuholen haben. Als Illustration wird oft die Einführung der Mutterschaftsversicherung erwähnt. Man kann die lange Geschichte tatsächlich bedauerlich finden und das skandinavische Gesellschaftsmodell präferieren. Nun ist es aber nicht so, dass okkulte Kräfte den Schweizern die Mutterschaftsversicherung vorenthalten hätten. Herr und Frau Schweizer wurden dazu befragt und haben sie einfach vier Mal in Abstimmungen abgelehnt. Hinterherhinken und anderer Meinung zu sein, sind zwei verschiedene Dinge.

«La politique c’est la maitrise des mots» hat François Mitterrand gesagt. En effet, Monsieur le président.

Abonnieren Sie den Newsletter "The Campaign Doctor" von Politikberater Louis Perron und erhalten Sie bewährte Wahlkampfstrategien jede Woche direkt in Ihrem Posteingang

Als Willkommensgeschenk erhalten Sie ein einstündiges, exklusives Video über mein neues Buch "Beat the Incumbent."