Was Angela Merkel, Sebastian Kurz und Giusepppe Conte gemeinsam haben

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Dr. Louis Perron
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Angela Merkel, Sebastian Kurz, Giuseppe Conte, Justin Trudeau und Emmanuel Macron haben etwas gemeinsam: Nicht nur, dass sie mit einer gigantischen Gesundheits- und Wirtschaftskrise konfrontiert sind. Sondern auch, dass sich ihre Umfragewerte im Vergleich zur Zeit vor Corona deutlich verbessert haben.

Krisenmanagement ist in der Praxis zwar strapazierend und belastend, das Drehbuch ist aber eigentlich einfach: Ein Präsident oder Premierminister muss vor allem schnell handeln. Er oder sie muss unkompliziert finanzielle Hilfe sprechen, vor Ort sein, die richtigen Leute mit dem Krisenmanagement beauftragen, seine Entscheidungen auf den Rat der Experten stützen und deren Arbeit begünstigen. Zudem sollte man in der Kommunikation den richtigen Ton finden. Die Leute mögen es nicht, wenn eine Krise für politische Zwecke missbraucht wird. Wer diese Regeln befolgt, darf auf höhere Umfragewerte hoffen. Ein Paradox würde man im ersten Moment meinen. Ist es aber nicht. Denn während einer Krise steigt der Medienkonsum. Die Leute sind also informierter und mehr auf dem Laufenden, was ihre Politiker den ganzen Tag lang machen.

Das war auch in der Vergangenheit so. Rudy Giuliani war vorher und nachher nie so populär, wie gleich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Gerhard Schröders Wiederwahl hing 2002 an einem seidenen Faden, bis er sich kurz vor den Wahlen nach dem Elbehochwasser als Helfer in der Not inszenieren konnte. Und wer weiss, ob Barack Obama 2012 so deutlich gegen seinen Herausforderer Mitt Romney gewonnen hätte, hätte ein paar Tage vor der Wahl nicht die Berichterstattung rund um den Hurrikan «Sandy» und Obamas überparteiliches Krisenmanagement die Medien dominiert.

Dieses Jahr wird unter anderem in den USA, Rumänien, Serbien und Litauen, sowie in den Städten Wien, Kiev und Bern gewählt. Mit Corona hat sich die Ausgangslage für viele dieser Urnengänge schlagartig verändert. Wahlen mit einem Amtsinhaber sind in erster Linie ein Referendum über den Amtsinhaber. Dieses Mal wird es ein Referendum über das Krisenmanagement der Amtsinhaber. Allerdings darf sich ein Politiker auch nicht auf den Lorbeeren oder den hohen Umfragewerten ausruhen. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr werden die Wählerinnen und Wähler neue und andere Sorgen haben und ein neues Kapitel beginnen wollen. Legendär ist diesbezüglich die Abwahl des Kriegshelden Winston Churchill kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges. Churchill genoss zwar hohen Respekt, man wollte aber mit den innen- und wirtschaftspolitischen Aufgaben jemand anderes beauftragen. Auch George Herbert W. Bush hatte nach dem ersten Irakkrieg spektakulär hohe Zustimmungsraten, um dann 1992 gegen einen damals unbekannten Gouverneur aus Arkansas namens Bill Clinton die Wahl zu verlieren.

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