Campaigning für nachhaltige Mitgliederwerbung

author
Dr. Louis Perron
blog post louis

Die Schweiz ist das Land der Vereine und trotzdem kämpfen viele mit dem gleichen Problem: sie verlieren Mitglieder. Die Individualisierung der Gesellschaft macht vielen Parteien und Verbänden zu schaffen. Heutzutage sind die Leute nicht mehr „automatisch“ auf Grund ihrer sozio-demographischen oder beruflichen Merkmale Mitglied einer Organisation. Zudem werden wir täglich bombardiert mit Informationen. Viele verstehen sich dabei mehr als Beobachter und Konsumenten anstatt als aktive Bürger. Erschwerend kommt hinzu, dass sich das Vernachlässigen der Mitgliederwerbung mit Verzug rächt. Wer heute in Sachen Werbung und Aktivierung von Mitgliedern nichts tut, bezahlt in ein paar Jahren den Preis dafür.

Und trotzdem gibt es Organisationen und Vereine, welche betreffend Mitgliederwerbung- und Aktivierung spektakuläre Erfolge erzielen. Ähnlich ist es ja auch in anderen Lebensbereichen wie zum Beispiel der Religion. Wer bei einer Landeskirche vorbeigeht, findet häufig leere Bänke. Gewisse Freikirchen hingegen haben enormen Zulauf.

Der erste konkrete Schritt ist die Prioritätensetzung. Wer wachsen will, muss Massnahmen zur Mitgliederwerbung-, Erhalt und Aktivierung auf die Traktandenliste setzen. Die Mitgliederwerbung muss eine die drei top Prioritäten der Führungsriege sein, sonst geht das nicht. Entsprechend müssen die finanziellen und zeitlichen Ressourcen aufgeteilt werden. Das klingt einfach, führt aber in den meisten Fällen zu erheblichen internen Auseinandersetzungen. Der zweite Schritt besteht im Erarbeiten eines konkreten Aktions- und Massnahmenplans. Eine Organisation kann Mitgliederwerbung auf Grund von Routinetätigkeiten machen. Dazu gehören beispielsweise periodisch stattfindende Events, Talons auf Materialien und natürlich auf der Webseite. Um substantielles Wachstum zu erreichen (beziehungsweise markante Verluste zu stoppen), ist dies aber häufig nicht genug. Dann braucht es spezielle Kampagnen und Massnahmen.

Dabei hilft es, neue Instrumente zu nutzen und digital aufzurüsten. Dies kann der politische Inhalt und das Konzept aber nicht erstezen. Man kann Mitgliederwerbung (leider) nicht einfach outsourcen oder einkaufen. Viele Kampagnen sind auch Geldverschwendung, da sie nicht strategisch und zielorientiert geplant sind, oder nicht diszipliniert durchgezogen werden. Handgestricktes Vorgehen kann bei Mitarbeitern und Freiwilligen schnell zur Frustration führen.

Auch braucht es inhaltliches Fleisch am Knochen. Gesellige Anlässe, Reisechecks und dergleichen sind für substantielles Wachstum in den meisten Fällen weniger entscheidend. Ein moderner Massnahmenplan zur Gewinnung und Aktivierung von Mitgliedern setzt auf die Aktivierung der Mitglieder. Die Leute wollen sich heutzutage einbringen und ausdrücken. Das Endziel ist also, dass Mitglieder Mitglieder werben (member get member). Um das zu erreichen, braucht es aber einiges an strategischer Aufbauarbeit. Bei Vorträgen vor Vereinen und Berufsorganisationen stelle ich immer wieder fest, dass viele Mitglieder eigentlich werben möchten, aber nicht genau wissen, wie sie das tun sollen. Mitgliederwerbung hat übrigens viele Parallelen mit Fundraising und mit Verkaufen allgemein. Ein Verein der wachsen will, muss seinen Leuten die Instrumente geben, dieses Ziel zu erreichen.

Abonnieren Sie den Newsletter "The Campaign Doctor" von Politikberater Louis Perron und erhalten Sie bewährte Wahlkampfstrategien jede Woche direkt in Ihrem Posteingang

Als Willkommensgeschenk erhalten Sie ein einstündiges, exklusives Video über mein neues Buch "Beat the Incumbent."