SVP-Werbung provoziert – wie eh und je

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Dr. Louis Perron
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Im Herbst 1993 wurde im Zolliker Wald eine junge Pfadiführerin ermordert. Der Täter war ein Häftling, der sich im Strafurlaub befand. Kurz darauf publizierte die SVP Zürich ein Inserat, auf welchem eine dunkle Gestalt mit einem Messer eine Frau erstechen wollte. Auf dem Inserat war zudem zu lesen: «Das haben wir den Linken und Netten zu verdanken. Mehr Kriminalität, mehr Drogen, mehr Angst». Es war der Startschuss für eine neue Ära des Wahlkampfes in der Schweiz.

Seither haben wir vieles gesehen und gehört: dunkle Hände, die einen Schweizer Pass ergattern, schwarze Schafe, Raben, Nazistiefel oder neulich der politische Gegner als Würmer und das Holocaust-Mahnmal missbraucht als Symbol für die Zubetonierung der Schweiz. Der Mechanismus ist dabei immer gleich: Man missachtet die politische Korrektheit, kreiert einen Skandal und löst im redaktionellen Teil eine Metakommunikation über die betroffene Werbung aus. Beim Video, welches die Volkspartei im Hinblick auf die Abstimmung über ihre Begrenzungsinitiative lanciert hat, sehen wir ein Kind in der Hauptrolle. Die Provokation ist softer, das Prinzip bleibt aber gleich. Was mich dabei immer wieder beeindruckt: Wie gut der Trick auch 27 Jahre später bei den Medien funktioniert. Denn die Stimmbevölkerung scheint längst an einem anderen Ort. Die vielen Provokationen haben sich abgenutzt. Bei den letzten Wahlen hat die Volkspartei 3.8% Wähleranteil verloren. Das Geschäftsmodell, Lärm zu machen, damit Lärm gemacht ist, entspricht nicht mehr der politischen Nachfrage. Seit der Coronakrise erst recht nicht mehr.

Meine Stellungnahme zum Video in der Zeitung 24heures finden Sie hier.

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