Warum die FDP unter Philipp Müller Erfolg hatte

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Dr. Louis Perron
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Seit 1979 hat die FDP mit einer Ausnahme bei jeder Nationalratswahl Wähleranteile verloren. Zum Vergleich: Ich bin 1976 geboren; das ist also eine ganze Weile her. Im Ausland erneuern sich Parteien vor allem dann, wenn sie auf den harten Bänken der Opposition sitzen. Nachdem die FDP Deutschland beispielsweise aus dem Bundestag flog, ging ein Ruck durch die Partei. Das ist bei der FDP Schweiz anders. Der Machtverlust verläuft schleichend, ähnlich wie beim Frosch im Kochtopf.

Für mich als Campaigner und Politologe ist deshalb die Ausnahme interessant. 2015 gelang der FDP unter der Führung von Parteipräsident Philipp Müller ein Gewinn von +1.5%. Um im Ansatz meines früheren Blogeintrages zu bleiben, wonach Makrotrend, Handwerk und Muskelkraft zu einem Wahlerfolg führen, war der Makrotrend dabei nicht einmal besonders positiv. Die Flüchtlingskrise dominierte die Schlagzeilen im Schlussspurt des Wahlkampfes und die FDP fand medial praktisch nicht mehr statt.

Parteipräsidenten haben es in der Schweiz grundsätzlich schwierig. Wenn es schlecht läuft, werden sie für vieles verantwortlich gemacht. Im Vergleich zu Parteichefs im Ausland haben sie aber nur wenig Macht, um die eigenen Truppen auf Kurs zu bringen. Charisma und mediales Geschick sind eigentlich die einzigen Hebel, die zur Verfügung stehen. Diese hatte Philipp Müller sicher optimal genutzt und damit das Selbstbewusstsein der Partei gestärkt. Auf Grund seines beruflichen Hintergrundes und mit markigen Sprüchen konnte er notabene die Herzen der Deutschschweizer Freisinnigen höherschlagen lassen. Auch das Spiel mit den Medien beherrschte er hervorragend. Er gab den Medien, was sie wollten, wann sie es wollten. Und dann kommt noch ein wichtiger Punkt hinzu: Die damalige Fraktionspräsidentin Gabi Huber hat in der Fraktion voller Alphatiere für Ordnung gesorgt und Müller den Rücken freigehalten. Warum Philipp Müller also als Parteipräsident erfolgreich war? Zu einem guten Teil auch wegen Huber.

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