Warum ein Nein halb so teuer ist wie ein Ja

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Dr. Louis Perron
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Man kann in einem Abstimmungskampf versuchen, ein Resultat mit viel Geld und Einsatz drei Wochen vor dem Abstimmungssonntag hinzubiegen. Aber das ist meistens ein Anzeichen dafür, dass während der Analyse- und Planungsphase etwas schiefgelaufen ist. Denn Abstimmungen finden immer in einem Kontext statt. Diesen objektiv zu analysieren und in einer mittelfristigen Perspektive zu managen, ist bei Abstimmungskämpfen oft die halbe Miete. Ich brauche in diesem Zusammenhang oft das Bild vom Curling: Man muss den Boden so bearbeiten, dass der Stein sachte dorthin gleitet, wo man ihn will.

Dabei ist es grundsätzlich einfacher, für ein Nein zu werben anstatt für ein Ja. Denn Abstimmungskämpfe haben eine ähnliche Dynamik wie ein Prozess vor einem Gericht. Eine Richterin wägt nämlich nicht schuldig gegen unschuldig ab – und wenn etwas mehr für schuldig spricht, wird der Angeklagte verurteilt. Vielmehr schaut eine Richterin, ob es begründete Zweifel an der Schuld des Angeklagten gibt. Analog dazu muss man bei einer Nein-Kampagne das schwächste Glied in der Argumentationskette identifizieren und in den Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit rücken. Deshalb ist eine Nein-Kampagne auch halb so teuer wie eine Ja-Kampagne. Wer dazu ein Beispiel braucht, erinnere sich beispielsweise an die Abstimmung über das CO2-Gesetz.

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