Was die Unterstützung von Verbänden im Wahlkampf wirklich bringt

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Dr. Louis Perron
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Die Wirtschaftsverbände und der Bauernverband wollen im Wahlkampf 2023 mitmischen. Auch wenn sie vorerst keine Kandidaten und Parteien empfehlen wollen, ist das begrüsenswert, denn bei den letzten eidgenössischen Wahlen war die Wirtschaft bemerkenswerterweise kaum ein Thema. Und was brachte die Unterstützung von Verbänden den Kandidaten im Wahlkampf in der Vergangenheit?

Weder der Hauseigentümerverband noch der Gewerbeverband oder der Baumeisterverband sind mir in der Vergangenheit als Wahlkampfmaschinen aufgefallen. Was die Umweltverbände betreffend Campaigning trotz beachtlicher finanzieller Ressourcen auf die Beine bringen, haben wir bei der Abstimmung über das CO2-Gesetz schmerzhaft erfahren. Im Wahlkampf sind die Umweltverbände dann jeweils derart besorgt, sich überparteiisch zu geben, dass sie sich weitgehend mit einem Ranking der Kandidaten begnügen. Und selbst die bei Volksabstimmungen schlagkräftige Operation Libero kam im letzten eidgenössischen Wahlkampf ins Schleudern. Die gross angekündigte Kampagne im Stil eines amerikanischen Super-PACs zur Unterstützung ausgewählter Reformerinnen und Reformer, versandete.

Von mir aus gesehen gibt es zwei Verbände, die im Wahlkampf wirklich Stimmen bringen: der Bauernverband in der Deutschschweiz und die ASLOCA in der Westschweiz. Was sind deren Erfolgsrezepte?

Bäuerinnen und Bauern sind in der Öffentlichkeit generell sehr präsent und werden daher stark wahrgenommen. Sie nehmen auch unabhängig von der Politik ausgiebig am sozialen Leben Teil (Chöre, Vereine, lokale Verwurzelung). Bauern sind in der Bevölkerung Sympathieträger, sie werden mit harter Arbeit assoziiert. Zudem ist es auch eine ganz spezielle Branche: praktisch jeder Schweizer findet im Stammbaum vor wenigen Generationen Wurzeln in der Landwirtschaft. Die Bauernfamilien haben eine starke Beteiligung an den Wahlen. Die Familien sind auch nach wie vor relativ gross und auch die Bindung zur Landwirtschaft ist über Generationen hinweg stark. Schliesslich hält die Branche zusammen: wird ein Bauer gewählt, spüren die anderen Bauern keinen Futterneid, sondern freuen sich und unterstützen ihn.

Der Erfolg der ASLOCA in der Westschweiz hat hingegen vor allem mit dem hohen Organisationsgrad zu tun. In Genf beispielsweise, wo die ASLOCA schon seit langer Zeit bemerkenswerte Wahlerfolge einfährt, sind 1/5 der Haushalte Mitglied, was sehr hoch ist. Und auch in den anderen Westschweizer Kantonen wie in der Wadt oder in Neuenburg ist der Organisationsgrad hoch. Zudem ist die Betroffenheit allgemein stark: die Schweiz ist ein Land, in dem überdurchschnittlich viele Menschen Wohnungen mieten. Das Thema ist auch praktisch konstant aktuell, denn bezahlbarer Wohnraum notabene in den Städten ist seit Jahrzehnten ein politischer Dauerbrenner.

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