Wie die SP die Bundesratswahl nutzen sollte

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Dr. Louis Perron
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Am erfolgreichsten war die SP während den 1990er Jahren, als sie von einem pointiert links politisierenden Parteipräsidenten geführt wurde (Peter Bodenmann). Daneben war aber auch genug Platz für moderate Kräfte (Elmar Ledergerber, Rudolf Strahm, Moritz Leuenberger). Hitzig geführte inhaltliche Debatten haben nicht geschadet. Im Gegenteil.

Heute ist das anders. Der moderate Teil der SP ist verschwunden oder wurde marginalisiert. Es scheint, als wären linksliberale Stimmen gar nicht mehr erwünscht. Lieber überlässt man sie den Grünliberalen. Wie ich schon oft gesagt habe: die Grünliberalen gibt es, weil die FDP zu wenig grün ist und die SP zu wenig liberal.

Entsprechend katastrophal sieht die Bilanz der SP bei den kantonalen Wahlen aus. Eine Volkspartei muss sich für den Wahlerfolg nicht zwischen verschiedenen Strömungen entscheiden, sondern diese elegant integrieren. Ein Jahr vor den eidgenösssichen Wahlen ist der Rücktritt von Simonetta Sommargua so gesehen für die SP eine grosse Chance. Es bietet sich die Möglichkeit, den moderaten Flügel wieder aufleben zu lassen. So sind es auch eher moderate SPler, die in der bürgerlich dominierten Bundesversammlung Wahlchancen haben. Allerdings nützt die Wahl eines neuen Bundesrates alleine der SP noch nichts. Es muss auch jemand sein, der trotzdem oder gleichzeitig die Basis begeistern kann. Und die Partei muss ihn oder sie in die Gesamtstrategie integrieren.

Daniel Jositsch wäre sicher wählbar und ist bei der Basis akzeptiert. Aber er hat für die Parteileitung das falsche Geschlecht. Dieser vorschnelle Entscheid könnte für die Parteiführung noch eine Knacknuss werden. Ich traue Jositsch eine wilde Kandidatur (oder zumindest die Drohung damit) durchaus zu.

Von den genannten Kandidatinnen traue ich diesen Spagat am ehesten Flavia Wasserfallen zu. Als ehemalige Parteifunktionärin und in Anbetracht ihres Alters und Habitus könnte sie trotz moderatem Profil die Herzen der Basis höher schlagen lassen. Und mit Blick auf den Wahlkampf würde auch jemand aus der Deutschschweiz mehr Sinn machen als aus der lateinischen Schweiz.

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